Einseiltechnik

In der Anfangszeit der Speläologie wurden viele Höhlen mit Hilfe von Leitern und Strickleitern erforscht. Allerdings war diese Art der Höhlenbefahrung sehr aufwendig und schwierig. Auch mit den Techniken des alpinen Kletterns stieß man schnell an Grenzen, lediglich aus dem Bereich des technischen Klettern konnten viele Techniken übernommen werden. Viele Ausrüstungsteile waren jedoch für den Einsatz in Höhlen nicht geeignet und so entstand im Laufe der Zeit eine neue Art der technischen Kletterei – die Einseiltechnik.

Obwohl mit „Einseiltechnik“ ein deutschsprachiger Begriff existiert, wird auch im deutschen Sprachraum überwiegend das Initialwort SRT des englischen Begriffs single rope technique verwendet.

Die Einseiltechnik dient in der Höhlenforschung zum Befahren von überwiegend vertikalen Strecken wie zum Beispiel Schächten. Da in Höhlen viele Stellen auch aufgrund von Nässe und Lehm nur schwierig im klassischen Stil erklettern werden können - und vor allem in der Höhle die Sicherheit oberste Priorität genießt - werden diese mit den bestmöglichen technischen Hilfsmitteln überwunden. Zudem geht es in der Höhlenforschung nicht darum, irgendein Ziel auf einem möglichst schwierigen Weg zu erreichen wie beim Sportklettern, sondern um das Erreichen eines Zieles möglichst zeitsparend und eben vor allem so sicher wie möglich.

Entwicklung

Bis in die 1970er-Jahre war es üblich Schächte mittels Drahtseilleitern zu überwinden. Diese haben trotz möglichster Leichtbauweise - nur so schmal wie ein Bergschuh, Alusprossen - den Nachteil schwer und voluminös zu sein und stellen somit, vor allem in kilometerlangen Höhlen, ein erhebliches Transportproblem dar. Abgesehen davon erfordert das Steigen auf einer solchen Drahtseilleiter einige Übung und ist sehr anstrengend. Vor allem das Absteigen ist mühsam: Beim Steigen auf die jeweils untere Sprosse der Drahtseilleiter hat diese, ist sie freihängend, die Tendenz auszuweichen, ist sie am Felsen anliegend, muss sie erst irgendwie vom Felsen weggedrückt werden. Das kostet nicht nur Kraft sondern stellt auch ein Sicherheitsrisiko dar. Selbstverständlich ist es notwendig, den Auf- oder Absteigenden zusätzlich mit einem Seil zu sichern. Das macht so genannte Schachtposten nötig, die den letzten Mann beim Absteigen sichern und dann - womöglich tagelang - warten müssen, bis der erste wieder aufsteigt.

Somit war die ursprünglich in Frankreich entwickelte Einseiltechnik eine Revolution in der Höhlenforschung die es nunmehr ermöglichte, auch schwierigste Schachthöhlen und extrem tiefe Abstiege mit wesentlich verringertem Materialaufwand und vor allem stark reduziertem Risiko zu meistern.

Ausrüstung

Die grundlegende Einseiltechnik-Ausrüstung besteht aus einem Sitz- und Brustgurt, einem Abseilgerät, mehreren Steigklemmen mit Fußschlinge und einem Sicherungset, dem sogenannten Cowtail. Die Ausrüstung für die Froschtechnik besteht aus:

  • Der Speleo-Sitzgurt ist einem Klettergurt recht ähnlich. Allerdings ist das Bandmaterial oft breiter, damit man längere Zeit im Gurt sitzen kann. Zudem sind stark beanspruchte Stellen mit PVC verstärkt und der Anseilpunkt ist wesentlich tiefer als beim Klettergurt. Als zentraler Anseilpunkt dient ein Halbrund-Schraubglied.
  • Der Speleo-Brustgurt dient zum Fixieren der Bruststeigklemme am Körper und hat meistens keine Sicherheitsfunktion.
  • Die (Brust-)Steigklemme wird direkt am Halbrund-Schraubglied befestigt.
  • Bei der Handsteigklemme handelt es sich um eine Steigklemme mit Griff, an der eine Fußschlinge besfestigt ist.
  • Das Cowtail besteht aus einer kurzen und einer langen Sicherungsschlinge, an deren Ende ein Schraubkarabiner sitzt.
  • Das Abseilgerät hat zwei oder mehrere festsitzende Rollen, um die das Seil gelegt wird. Die Reibung zwischen Seil und Rollen ist groß genug, um die Abfahrtsgeschwindigkeit mit den Händen, die das Seil unterhalb des Abseilgerätes halten, entsprechend zu kontrollieren. Zusätzlich wird noch eine Sicherungsklemme verwendet, die, sollte die abfahrende Person ohnmächtig werden und das Seil nicht mehr halten können, die Abfahrt stoppt.

Für andere Techniken werden noch weitere Ausrüstungsteile benötigt. So wird zum Beispiel für die Raupentechnik noch eine weitere Handsteigklemme mit Fußschlinge verwendet. Zusätzlich beziehungsweise optional werden Fußsteigklemmen oder Handsteigklemmen mit Flaschenzugsystem verwendet.


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